Call by Call fürs FidoNet

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1. Einleitung

Viele Menschen scheinen sich selbst in heutigen Zeiten noch davor zu fürchten, Ferngespräche zu führen, weil sie der Meinung sind, dass diese mit sehr hohen Gebühren verbunden sind. Gleichzeitig telefonieren diese dann lieber mit ihrem Handy, weil das ja laut Werbung angeblich so billig ist; Aber das ist ein anderes Thema :-)). Dieser Text soll zeigen, was Call by Call ist, was es fürs Fido bringt und wie man es am besten einsetzt. Die Angaben in diesem Text können sich schnell ändern. Deshalb sollte man sich immer wieder mal auf den u.a. Seiten umsehen.

 

2. Kurze CbC-History

Anfang 1996 änderte unser grosser Freund "Deutsche Telekom" seine Tarifstruktur: Ferngespräche und Ortsgespräche sollten billiger werden. Ferngespräche wurden auch tatsächlich ein wenig günstiger. Und Ortsgespräche? Laut Werbung wurden diese ebenfalls günstiger. Doch wenn man nur ein wenig rechnen konnte, merkte man schnell, dass dies nur in Grenzfällen zutraf (a la: "Gespräche unter 10 Sekunden sind jetzt billiger!"). Normale, lange, ausführliche Ortsgespräche waren plötzlich mehr als doppelt so teuer. 1996 war wohl auch das Jahr, in dem die meisten Online-Mailboxen in Deutschland geschlossen wurden. Niemand hatte mehr Lust, sich für ein Heidengeld in die Systeme einzuwählen. FidoNet wurde davon, da es ja seit eh und je ein Offline-Netz ist, nicht so sehr gebeutelt. Im Gegenteil: Die Einführung des sog. "Nachttarifes" damals, der zwischen 2 und 5 Uhr morgens galt, machte den Austausch von grösseren Datenmengen selbst im Fernbereich wieder richtig günstig.

Die Telekom konnte nun im Jahr '96 noch einmal richtig absahnen, bevor sie 1997 ein bisschen zur Seite treten musste, um anderen Telefonanbietern Platz zu machen. Langsam ging es los. Ferngespräche wurden seither immer billiger. Sogar Ortsgespräche, bisher DIE Domäne der Telekom, kann man neuerdings über andere Anbieter weit günstiger führen. Seit 1997 hat sich bei den Ferngesprächsgebühren einiges verändert. Immer mehr Anbieter drangen auf den Markt und unterboten sich gegenseitig ständig in ihren Preisen. Mittlerweile sind Ferngespräche teilweise sogar fast so günstig wie Ortsgespräche, wenn nicht sogar günstiger (in bestimmten Fällen). Die einfachste Möglichkeit, um andere Telefonanbieter nutzen zu können, ist Call by Call. Hierbei muss man einfach nur eine sog. "Netzvorwahl" vor der eigentlichen Rufnummer wählen und telefoniert damit über einen anderen Anbieter. Viele davon kann man einfach so nutzen, ohne Anmeldung. Diese rechnen dann über die Telekom-Rechnung ab. Bei anderen muss man sich anmelden und bekommt evtl. eine eigene Rechnung zugstellt. Für Datennetze besonders verlockend sind Anbieter, die sekundengenau abrechnen: Das heisst, wenn ein Anruf nur zehn Sekunden dauert, zahlt man auch wirklich nur für diese zehn Sekunden anstatt für eine ganze Minute. Vor allem im Zusammenhang mit ISDN, das einen sehr schnellen Verbindungsaufbau ermöglicht, ist dies sehr lohnend.

 

3. CbC im Fido?

Um eine bessere Übersicht zu gewährleisten, beschränke ich diese Beispiele auf einen Anbieter: 3U. Dieser rechnet sekundengenau über die Telekom-Rechnung ab, ist sehr günstig und erfordert keine Anmeldung. Die Tarifstruktur von 3U sieht folgendermassen aus:

8-18 Uhr: 4,6 Ct/min (fern) bzw. 1,99 Ct/min (Ort)
18-8 Uhr: 2,5 Ct/min (fern) bzw. 1,49 Ct/min (Ort) (durchgehend am Wochenende)

Von den wenigen sekundgenau abrechnenenden Anbietern (z.B. Tesion, TelePassport) ist 3U einer der günstigsten. Es gibt ein paar Anbieter, die minutengenau abrechnen und noch günstiger sind. Die Netzvorwahl von 3U ist 01078. Will man also die Nummer  "0123/56789" anrufen, wählt man stattdessen "01078-0123/56789".

Nicht sekundengenau abrechnende Anbieter lohnen sich nur, wenn man regelmässig grössere Datenmengen überträgt, also längere Gespräche führt.

Warum nicht die Telekom benutzen?

Weil mittlerweile andere Anbieter deutlich günstiger sind, und das sogar im Ortsnetz. Wenn man ein wenig vergleicht und stöbert, findet man schnell Angebote, die zum persönlichen Telefonier-Verhalten passen.

Beispiel 1: Durchschnittspoint

Ein normaler Point pollt vielleicht 2 Mal am Tag. Er ruft mit einem Analogmodem an. Seine Anrufe dauern im Schnitt 40 Sekunden. In dieser Zeit lassen sich mit einem 28k-Modem etwa 100k (gepackte) Daten übertragen (Verbindungsaufbau und Handshake-Zeit eingerechnet).

Da er tagsüber arbeitet, hat er eh erst nach 18 Uhr Zeit für den Computer, wodurch er 2,5 Cent in der Minute zahlt. Das heisst, wenn sein Anruf 40 Sekunden dauert und er 3U benutzt, zahlt er nur 1,7 Cent für einen Anruf.

In einem Monat mit 30 Tagen zahlt der Point also 30 x 2 x 1,7 Cent (je 2 Anrufe) Telefongebühren fürs FidoNet. Das sind 1,02 Euro!

 

Beispiel 2: Powerpoint (nein, nicht von Microsoft :-) mit ISDN

Ein engagierter Point hat über 100 Echos bestellt und verfügt über ISDN. Er ruft am Tag 5 Mal bei seinem Node an. 2 Mal vor 18 Uhr, und 3 Mal nach 18 Uhr. Pro Tag erhält er etwa 600k an gepackten Mails. 200k beim ersten Anruf und je 100k bei den vier anderen. 100k überträgt er dank ISDN in etwa 15 Sekunden. Die Zeit für den Verbindungsaufbau beträgt etwa 5 Sekunden.

  1. Anruf vor 18 Uhr:

    200k entsprechen 30 Sekunden + 5 Sekunden = 35 Sekunden. Das kostet den Point 2,7 Cent.

  2. Anruf vor 18 Uhr:

    100k entsprechen 15 Sekunden + 5 Sekunden = 20 Sekunden. Das kostet den Point 1,5 Cent.

  3. Anruf nach 18 Uhr:

    Dieser dauert ebenfalls 20 Sekunden, doch kostet ihn der Anruf nur 0,8 Cent!

  4. Anruf nach 18 Uhr:

    Dasselbe, ebenfalls nur 0,8 Cent.

  5. Anruf nach 18 Uhr:

    Und nochmal 0,8 Cent.

Rechnet man dies zusammen, kommt man auf 6,6 Cent Kosten pro Tag. Auf den Monat umgelegt wären das 30 x 6,6 Cent, was 1,98 Euro entspricht. Dazu muss gesagt werden: 600k gepackte Mail pro Tag sind eine Riesenmenge, die man kaum lesen kann :-).


In der Praxis?

In der Praxis, fernab jeglicher Theorie, kommen natürlich noch zusätzliche Übertragungskosten hinzu. Sei es, weil man sich mal grössere Files irgendwo requestet, weil die Leitung einen Fehler hat oder weil das Nodesystem hängt und nicht auflegt. Für einem Point bewegen sich die realen Kosten bei etwa 1 bis 2,50 Euro pro Monat. Ein "schneller" Node mit ISDN kommt auf etwa 3-6 Euro. Ein genauso schneller Node mit Analog-Anschluss auf etwa 7 Euro. Obige Beispiele sind natürlich immer abhängig von der übertragenen Datenmenge. Ein BBR-System hat sicherlich höhere Kosten als ein kleiner Provinz-Node, der nur 50 Echos bestellt hat.


4. Links

Obige Beispiele gehen davon aus, dass man immer nur einen einzigen Anbieter benutzt. Da 3U zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes eine ziemlich gute Preisstruktur (für die täglichen Fido-Polls) bietet, kann man diesen eigentlich einfach als Vorwahl-String in den Modem-Optionen des Pointprogramms eintragen.
Aber was tun, wenn man einmal einen anderen Anbieter nutzen möchte? Zum Beispiel, wenn man ein sehr langes Gespräch führen will, bei dem ein anderer viel günstiger wäre?

Hier einige Links zu interessanten Webseiten, die eingehend und detailliert über die Preisstrukturen der diversen Telefonanbieter informieren:

http://www.teltarif.de

Gute Übersichtsseite, auf der man sehr schnell die günstigsten Tarife findet.

http://www.billiger-telefonieren.de/

Umfangreiche Seite mit Informationen über alle CbC-Anbieter, Tarifvergleiche, individülle Tagestabellen, Downloadmöglichkeit von Tarif-Informations-Programmen...

http://www.tariftip.de
http://www.teltarif.de
http://www.preiswert-telefonieren.de
http://data-inform.de/tele/tarife.htm

Enthalten alle ähnliche Angebote. Einfach ausprobieren.


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